Grafschafter Völkerwanderung bzw. Kloatscheeten

Von Januar bis März spielt sich auf Grafschafter Wegen eine alte traditionelle Volkssportart ab. Im Grafschafter Jahreskalender ist sie nicht mehr wegzudenken und auch im Emsland kommt so langsam der Kloat ins Rollen. Sie merken: Die Rede ist natürlich vom Kloatscheeten.

Während bei der Nordhorner Sportkloatscheeter Vereinigung (NSKV) intensiv für lokale Turniere und deutsche Meisterschaften trainiert wird, macht der Amateursport auch vor Hobbykloatscheetern nicht Halt. Bei den Vereinen wird nach strengen Regeln gespielt und eine feste Anzahl an Werfern festgelegt. Bei privaten Gruppen verlieren die Sportregeln nach jeder Spielrunde eher an Bedeutung und man konzentriert sich im Vorfeld auf die Anzahl der Bierkisten und Kurzen. Es soll sogar Gruppen geben, welche die Regeln komplett außer Acht lassen und sich eher darauf bemühen, auf kurzer Wegstrecke einen möglichst hohen Alkoholkonsum vorzuweisen. Wichtige Anmerkung: Beim NSKV sind vor und während dem Spiel der Genuss von alkoholischen Getränken strikt verboten.

Kloatscheeten ist eine Volkssportart. Deshalb kommt es an Grafschafter Wochenenden regelmäßig zu Völkerwanderungen. Es gibt zwei Arten von Wanderungen. Die Strichroute – man läuft los, bleibt nach gefühlten 20km Fußmarsch stehen und dreht wieder um. Von Zurücklaufen kann dabei weniger die Rede sein. Begriffe wie torkeln, schleichen oder robben werden hier eher verwendet. Die Kreisroute – man läuft los, bleibt nach gefühlten 20km Fußmarsch stehen und wundert sich, warum man wieder am Anfang steht. Jede Route ist einzigartig und vorher von einem ausgewählten und selbsternannten Königspaar in monatelanger Planung organisiert: Ganz getreu dem Motto: „… Da lang!“

Trotz all der Planung gibt es aber immer mindestens drei weitere Gruppen, die dieselbe Idee hatten. So erleben es besonders Landwirte, dass aufgrund von Staubildungen die Feldwege komplett dicht sind. Auch kriegen diese an jenen Wochenenden vermehrt fremden Besuch von Toilettengängern. Die Zahl der Kloatscheeter und Wildpinkler gleichen sich dabei so stark, dass sich der Bauer das Güllen der Felder sparen kann.

Jede Kloatscheeter-Gruppe besteht aus zwei Parteien. Die Reihenfolge der Werfer wird durch die Ziehung einer Zahl beschlossen. Jeder Spieler hat eine Zahl und weiß eigentlich, wann er dran ist. Eigentlich. Die Spätfolge zeigt, dass spazierende Naturfreunde sich in dieser Frühlingsperiode nicht nur von friedlichem Vogelgezwitscher erfreuen können, stattdessen hören sie in der Ferne „WO IST DIE ACHT? AAAACHT IST DRAAN! AAAAAAAHAAACHT! DU BIST DRAAAAN GÜNTER!!!“ Dank des technologischen Fortschrittes besitzen jene Hobbysportgruppen mittlerweile auch gescheite PA-Anlagen, um anderen Kloatscheeter-Gruppierungen musikalisch zu zeigen: „Das ist unsere Straße! Sucht euch eine andere!“

Auch beim Thema Alkohol hat jeder seine eigenen Regeln. Getrunken wird bei jeder Kreuzung, bei jedem vorbeifahrenden Auto oder für ganz Harte: Nach jedem Baum. Vor allem bei jüngeren Gruppierungen macht sich dabei ein orangenes Gebräu namens „Maracuja-Schnaps“ Freunde und Feinde. Besonders interessant wird es, wenn zwei Gruppen aufeinander treffen. Neben der Entstehung von neuen Bekanntschaften wird vor allem der Wagen des jeweils Anderen ausgiebig kontrolliert, begutachtet und bewertet. Das jeweilige Alphamännchen steht dabei stolz daneben, als wäre es bei „Pimp my Bollerwagen“.

Nach circa vier Stunden treffen die selbsternannten Spitzensportler in einer Gaststätte oder privatem Partykeller ein und berichten von ihren Heldentaten, als Günter plötzlich verschwunden war, Dennis an den Stromzaun urinierte und Helga heulte, weil Judith heulte.

Kloatscheeten – Ein Grafschafter Volkssport – Eintausend Geschichten.

Tom Wolf, verfasst 16. März 2016

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